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John Bock – Erik van Lieshout – Manfred Pernice – Raymond Pettibon – Keith Tyson

25. September - 15. Oktober 2009

Pavillon, Schillingstraße 31, 10179 Berlin

Kuratiert von Gesine Borcherdt und Florian Peters-Messer

Zum ersten Mal stellt sich die fpmcollection mit ausgewählten Arbeiten der Sammlung öffentlich vor. Vom 25. September bis 15. Oktober werden in Berlin zwei großformatige Installationen von John Bock und Erik van Lieshout, zwei Skulpturen von Manfred Pernice, drei große Papierarbeiten von Keith Tyson und 12 Zeichnungen von Raymond Pettibon zu sehen sein. Die Ausstellung wird im Pavillon der Schillingstraße 31 (den ehemaligen Räumen der Johnen Galerie) stattfinden. Die fpmcollection vereint derzeit rund 300 Werke von knapp 30 Künstlern, die der Sammler Florian Peters-Messer innerhalb der letzten 15 Jahre zusammengetragen hat. Darunter befinden sich unter anderem Werke von Thomas Hirschhorn, Alicja Kwade, Bjarne Melgaard und Felix Schramm. Die erste Präsentation der fpmcollection zeigt im Eingangsbereich Manfred Pernices „Hässliche Luise“ (2004): Die beiden rostig-roten Metallrohre in Betonbrocken bilden die Reste eines Klettergerüstes, das sich auf einem Ostberliner Spielplatz vor einem Plattenbau mit dem Spitznamen „Hässliche Luise“ befand. Pernice, der für seine modernistisch architektonischen Installationen bekannt ist, hat Teile dieses Baus ausgeschlachtet und als Skulpturen verwendet. Im Keller steht Pernices „Bank“ (2003) – eine abstrakte Sperrholzskulptur, die in ihrer Dosenform auf urbane Bauformen anspielt. Im vorderen Wandbereich des Pavillons hängen 12 Zeichnungen des Kaliforniers Raymond Pettibon. Ob Comichelden, nackte Körper, Wellen, Dollarzeichen oder Bill Gates: Pettibons Werk wirkt wie ein Pandämonium amerikanischer Mythen. In seiner schattenreichen Ästhetik erinnert es an Comics oder Fanzines aus den dreißiger Jahren, die einen sexuell aufgeladenen, düsteren Unterton vermitteln. Auf der Rückseite dieser Wand sind zur Glasfassade hin drei „Studio Wall Drawings“ von Keith Tyson angebracht, auf denen der Turnerpreisträger ein kausales System aus Ideen, Gefühlen, Besuchen von Gästen im Atelier, weltpolitischen Ereignissen und wirtschaftlichen Schwankungen skizziert hat. Den zentralen Raum beherrscht John Bocks Installation „Die Tiefe“ (2008), ergänzt durch einige Zeichnungen. Die aus diversen Materialien zusammengesetzte Skulptur symbolisiert ein sinkendes UBoot. Während seiner auf Video dokumentierten Performance in Antwerpen übernahm Bock die Rolle des Kapitäns, der versucht, das Schiff zu retten. Mit einer charakteristischen Terminologie und einem wirbelnden Auftritt spielt der Künstler auf die deutsche Kriegsvergangenheit an. Im Nebenraum hat Erik van Lieshout seine Videoinstallation „Rotterdam - Rostock“ (2006) aufgebaut, die zum ersten Mal auf der 4. Berlin Biennale gezeigt wurde. In dem Video reist der Künstler per Fahrrad durch Deutschland. Im Stil eines Dokumentarfilms, in dem der Hauptakteur ständig in Aktion ist, lässt van Lieshout Bürger vor der Kamera ihre Sympathie für Nazis bekunden. Andere Szenen beziehen sich in tragikomischer Weise auf Identitätssuche, Wut und Verlust im eigenen Leben des Künstlers. Politisches wird privat und umgekehrt. Mehrere Zeichnungen ergänzen die Installation.

John Bock, "Die Tiefe", 2008
Manfred Pernice, "Hässliche Luise", 2004
Raymond Pettibon, 12 Zeichnungen
Erik van Lieshout, "Rotterdam - Rostock", 2006
Manfred Pernice, "Bank", 2003